13. Januar 2015

Thujahecken sind uncool


Thuja oder auch Lebensbaum genannt, ist eine weit verbreitete Heckenpflanze. Preisgünstig ist sie in jedem Pflanzenmarkt oder auch Baumarkt mit Pflanzenabteilung zu finden. Zieht man das erste Mal von der Stadt aufs Land, beziehungsweise von einer Wohnung in ein Haus mit Garten, dann guckt sich der Gartenneuling vor allem erstmal an, was so beim Nachbarn wächst. Um wenig später dann Sätze zu sagen wie „Wir haben erstmal Lebensbäume gekauft.“ Diese Neu-Gärtner legen oftmals auch keinen Kompost an, was zu einer baldigen Überforderung mit den nunmal ständig auftretenden Gartenabfällen führt. 

Wir reden von einem modernen Garten.

Der Garten wird mit einem Wohnzimmer verwechselt. Man will eine absolute Privatsphäre gewährleisten und das zu jeder Jahreszeit. Thuja ist immergrün und blickdicht. Es erinnert an aufgestellte Wände, die sich nur von echten hochgezogenen Wänden davon unterscheiden indem sie politisch korrekt sind, weil es Pflanzen sind. Würde man seinen Garten mit Holzwänden einrahmen, was übrigens in Amerika teilweise gemacht wird, dann würde man als jemand gelten, der sich verschanzt. Sind es jedoch lebende Pflanzen wird das nicht behauptet, obwohl der Effekt der gleiche ist. Mit Thujahecken verschanzt man sich und lässt sie selbst in sehr kleinen Gärten mindestens zwei Meter hoch wachsen damit auch ja kein Spaziergänger den Garten bewundern kann.

Thuja stammt ursprünglich aus Ostkanada und den nordöstlichen USA. Sie wächst am besten auf nassen Böden, womit wir beim ersten Problem sind. Der Brandenburger Boden ist sandig und nährstoffarm. Thuja braucht also den größtmöglichen Pflegeaufwand indem die Hecke dauerhaft mit Rindenmulch gedüngt und regelmäßig gewässert werden muss. Nachdem die Hecke wächst und gedeiht erfreut sich der Gärtner an der Blickdichte und seiner Privatsphäre. So lange bis irgendwann die ersten braunen Triebe auftauchen. Salz, Überdüngung, Sonnenbrand, saurer Boden, Insektenbefall und auch zahlreiche Pilzerkrankungen können zur Braunfärbung führen, die bei fast allen Thujapflanzen früher oder später, mehr oder weniger auftritt. Es wird noch mehr gedüngt, noch mehr gewässert und nicht selten werden auch Fungizide eingesetzt. Wenn man der Sache nicht Herr wird, wird die Hecke oft entsorgt und, ja richtig, mit einer neuen Thujahecke ersetzt. Diesmal mit einer anderen Sorte, die noch mehr Gesundheit verspricht. Brandenburg gehört nebenbei bemerkt zu den niederschlagärmsten Regionen Deutschlands.  

Weil Thuja hier nicht beheimatet ist, können die Wildtiere mit ihr nichts anfangen. Thuja bietet keine Blüten für die hier beheimateten zahlreichen Wildbienenarten, keine Blätter für die Raupen vieler Schmetterlinge, keine Beeren für die Vögel. Dementsprechend wird Thuja unter Naturschützern oft als „tot“ bezeichnet. Sie ist der Inbegriff des naturfernen Gartens und symbolisiert das Gegenteil von dem was Naturschützer fordern: Mehr Natur im Garten zuzulassen.

Einheimische Pflanzenarten bieten den bei uns vorkommenden Wildtieren einen Lebensraum.

Thuja kann man zum Beispiel mit Eibe (rote Beeren, immergrün, blickdicht) mit Weißdorn (weiße Blüten, rote Beeren) oder mit Rotbuche (schöne Herbstfärbung) ersetzen. Einheimische Sträucher bieten im Frühling Nektar für die Bienen, im Sommer Nistmöglichkeiten und im Winter Futter für die Vögel. Ihr Laub kann im Herbst als Eigendünger liegen bleiben. Einheimische Hecken benötigen den geringsten Pflegeaufwand, weil sie bereits an unser Klima angepasst sind. Zudem kann man sich die Frage stellen, ob der Garten wirklich zu 100% blickdicht sein muss. Fällt das Laub im Herbst, so dass man im Winter durch die Hecke sehen kann stellt sich die Frage, wie sehr man im Winter im Garten unbeobachtet sein möchte. Sitzt man im Winter denn täglich auf der Terrasse? Vermutlich nicht.


Und so bleibt Thuja unter Naturschützern auch in Zukunft ein Symbol für den naturfernen Garten, der oft als unästhetisch und „tot“ bezeichnet wird.

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